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Der alte Kautz

Dunkel ist‘s, die Glocke schlägt gleich Mitternacht,
Der Laterne Strahlen fingern durchs Geäst,
Dort seh‘ ich ihn, den alten Kauz, der immer wacht,
Der mich auch heute wieder seine Klugheit spüren lässt.

Nachdenklich und mit klugem Blick sitzt er im Baum,
Sein ganzer Ausdruck ist gelassen und sehr weise,
Ich setz mich auf den Boden, um zu ihm aufzuschau’n,
Und glaub‘ zu hören, was er sagt, wenn auch sehr leise.

Er spricht zu mir von alten Zeiten und vergang’nen Tagen,
Von einer Zeit, in der nicht alles schön, doch vieles besser war.
Von einer Zeit, in der man noch dem andern trauen konnte und was wagen,
Von einer Zeit, in der man sich half und sich nicht einfach machte rar.

Er singt mit tiefem Bass sein Lied von Liebe und Gerechtigkeit,
Ich fühl in meinem Kopf die Zuversicht und hoff in meiner Seele, Dass mein alter Kauz mir länger noch als lang erhalten bleibt,
Dass wir uns Abends wieder treffen und auch ich ihm einmal was erzähle.

Schwere Wolken…

Schwere Wolken ziehen über Meer und Land,
So richtig dunkel und bedrohlich,
Das Blau des Himmels ist verbannt,
Keine Sonne mehr und auch kein Mondlicht.

Man sehnt sich nach des Himmel Blau,
Und noch mehr nach der Sonne Schein,
Nichts einzuwenden gegen Morgentau,
Aber dieser Regen, lieber Gott, das muss nicht sein!

Doch, lieber Mensch, denk mal daran,
Wenn es so richtig, richtig anders wär,
Die Sonn‘ mit ihrem Schein wär‘ quasi immer dran
Und der Himmel immer nur noch wolkenleer.

Das wär für Pflanze, Mensch und Tier der Tod,
Denn ohne Maß ist nun mal alles Gift.
Was nützt das allerschönste Abendrot,
Wenn danach nichts mehr zu retten ist?

Runter vom Turm…

Was will der Wind mir erzählen,
Der hier so durch die Linden rauscht?
Ich höre Geschichten vom Quälen,
Ich frag mich, ob ihm sonst einer lauscht?

Ich höre Geschichten von Männern und Frau’n,
Die so ganz, ganz weit weg von Zuhaus.
Die hatten keine Chance, mussten jedem vertrau’n,
Denn sie und ihre Kinder mussten da raus.

Der Wind erzählt mir Geschichten von Kindern,
Deren Nachtlied mit Gewehren gespielt.
Niemand wollte ihr Leiden verhindern,
Nicht mal, als eines tot an den Strand gespült!

Es säuselt im Wind von betroffenen Reden,
Es wird versprochen und doch nichts gehalten.
Da draußen im Meer kämpfen Menschen ums Leben,
Hier dreht man sich um, ’s bleibt alles beim Alten!

Es wird der Wind zornig, aus Ihm wird ein Sturm,
Der Sturm leidender Kinder, Männer und Frau’n.
Oh Gott, Europäer, kommt runter vom Turm,
Wie kann man beim Leiden so tatenlos schau’n?

Morgensonne…

Morgensonne, Glockenklang,
Ich bleib noch etwas liegen,
Der Wind streift an den Linden lang,
Die Blättern lernen fliegen.

Der Herbst kommt jetzt mit großen Schritten,
Es wird schon etwas kahl am Baum,
Um einen blauen Himmel muss man bitten,
Das satte Grün färbt sich zu Braun.

Ich fühl‘, der Winter kommt geschwinde,
Freu‘ mich auf Glühwein und Kamingenuss,
Und seh dort draußen an der Linde
Ein Eichhorn, das noch sammeln muss.

Dillemma

Eines der großen Dillemmata unserer Zeit ist absolut nicht der Mangel an Gelegenheiten, günstigen Umständen oder hervorragenden Ideen, die motivierte Menschen zum handeln bewegen. Es ist vielmehr der Mangel an motivierten Menschen, die willens sind, Ge- legenheiten beim Schopf zu ergreifen, günstige Umstände zu erkennen und geniale Ideen zu realisieren!