Archiv der Kategorie: Gereimtes

Begegnung

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Er könnte irgendwann Dein Nachbar sein,
Sie könnte Dich irgendwann mal pflegen müssen,
Es könnte mit Lächeln auch Dein Herz erfreu’n,
All das kann man niemals vorher wissen!

Na ja, er kommt Dir schon ein bisschen anders vor,
Das sagt Dir nicht der Kopf, das sagt Dein Bauch.
Aber hör mal zu, ich sage Dir mal was ins Ohr,
Genauso geht es Deinem Gegenüber aber auch!

Sie sieht auch nicht aus, wie Du die Frauen kennst,
Das macht Dir schon ein komisches Gefühl.
Aber glaub mir, sie ist ganz sicher kein Gespenst,
Reiß Dich zusammen, sei nicht unfreundlich und kühl!

Der Kleine, der macht Dir am wenigsten zu schaffen,
Wer Kinder mag, der mag sie hier und überall,
Doch auch der aller dümmste sollte endlich raffen,
Kinder brauchen Zuflucht und nicht ‘nen bunten Ball!

Es sind, weiß Gott, nicht alle gut, die nun zu uns kommen,
Doch auf Vertrauen hat ein jeder auch ein Recht.
Drum, begegne jedem Fremden zuerst sehr besonnen,
Vielleicht wird er Dein Freund, auf keinen Fall Dein Knecht!

Gute alte Zeiten?

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Nein, es klappert keine Mühle mehr,
Der Bach rauscht nicht, ist längst ja schon begradigt!
Es bringt auch niemand Korn mehr her,
Der Müller ist seit Jahren schon begnadigt!

Man träumt schon mal den Zeiten nach,
Als man in dieser Zeit die Zeit noch hatte für die Zeit,
In der man noch ganz and’res tat mit viel Gemach,
Mit Ruhe, mit Bedacht und nicht zuletzt Gemütlichkeit!

Doch, man muss sich leider eingesteh’n, dass die Träume,
Zum großen Teil wohl auch gebären, was es gar nicht gab,
Auch damals wuchsen in den Himmel keine Bäume,
Und Kampf und Leid und Sorgen war’n Begleitung bis zum Grab!

Der Wind ist zornig!

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Was will der Wind mir erzählen,
Der hier so durch die Linden rauscht?
Ich höre Geschichten vom Quälen,
Ich frag mich, ob ihm noch sonst einer lauscht?

Ich höre Geschichten von Männern und Frau’n,
Die nun so ganz, ganz weit weg von Zuhaus.
Sie hatten keine Chance, mussten jedem vertrau’n,
Denn sie und ihre Kinder wollten nicht, sie mussten da raus.

Der Wind erzählt mir Geschichten von Kindern,
Deren Nachtlied mit Gewehren gespielt.
Niemand konnte oder wollte ihr Leiden verhindern,
Nicht mal, als eines tot an den Strand gespült!

Es säuselt im Wind von betroffenen Reden,
Es wird versprochen und doch nichts gehalten.
Da draußen im Meer kämpfen Menschen ums Leben,
Hier dreht man sich um, ‘s bleibt alles beim Alten!

Es wird der Wind zornig, aus Ihm wird ein Sturm,
Der Sturm leidender Kinder, Männer und Frau’n.
Oh Gott, Europäer, kommt runter vom Turm,
Wie kann man bei so viel Leid tatenlos schau’n?

Das Blatt ohne Laub

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Ein großes grünes Lindenblatt,
 war’s höchste auf dem Baum,
Schaut‘ auf die andern nur hinab,
’s gab ja nichts, um aufzuschau’n.

Denn Sonne, Himmel, Mond und Sterne
Empfand es nicht als über sich,
Nach oben schaut man nicht so gerne
Nach unten spürt’s der Nacken nicht!

Doch kürzer wird der Sonne Schein,
’s wird kälter in des Herbstes Tagen
Da fühlt das stolze Blatt: „Ich bin allein!“
“Sprecht doch mit mir, ich will was fragen!“

„Die Frage ist nicht, was willst Du!“,
Ruft von unten da der Blätter Chor,
„Niemand hört Dir jetzt mehr zu!“ 
Von der Spitze geht’s nicht mehr empor!

Kraftlos wird das Spitzen-Blatt,
Es kann sich nicht mehr halten.
Es flattert von dem Baum hinab,
Der Herbst lässt seine Kräfte walten.

Es liegt ganz unten nun im Dreck,
Schaut zu denen auf, die vorher drunter hingen.
Die wärmen sich, das ist der Zweck,
Und schützen sich vor starken Winden.

Nach und nach wird’s unten voll,
Für das große Blatt sind alle taub.
Man weiß nicht, was man mit ihm reden soll,
Denn sie war’n kein Blatt, sie war’n ja Laub!

Wenn Dein Platz mal an der Spitze ist, Denn einer muss auch dort ja sein,
Ist entscheidend, dass man nicht vergisst:
 Ohne die da unter Dir bist nun mal Du komplett allein!

Lasst uns wieder aufsteh’n!

Che Guevara

Was haben wir geredet und nächtelang gestritten,
Wir träumten damals von ’ner andren Welt.
Von einer einz’gen und nicht ’ner zweiten oder dritten,
Von einer, die friedlich ist und die zusammen hält.

Was ist aus dieser Erde und unsern Träumen nur geworden?
Unsre heile Welt ist heute weiter weg als wir damals je gedacht,
Überall nur Flucht und Leid und Elend gar bis hin zum Morden,
Verdammt noch mal, dafür ist diese uns’re Erde nicht gemacht!

Lasst uns wieder aufsteh’n und noch mal auf die Straßen ziehn,
Lasst uns noch mal zeigen, wir machen das nicht mit!
Lasst uns wieder solidarisch sein, nicht ins Private flieh’n,
Lasst uns noch mal zeigen, uns’re Herzen, uns’re Köpfe sind noch fit!

Wir haben uns einlullen lassen, wir achtunsechz’ger Generation,
Unsern Kindern nicht mehr vorgelebt, wie man doch brennen muss.
Aus falschen Zielen und Bequemlichkeit entsteht nur Resignation,
Mit dicken Bäuchen denkt man nicht, erst recht nicht bis zum Schluss!