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Der eingebildete Kranke

Simulieren ist kein Kavaliersdelikt!

Es gibt Formen von physischen und psychischen Krankheiten, die sehr schwer zu diagnostizieren sind. Die wirklich Betroffenen leiden, teilweise auch eben deshalb, weil ihre Krankheit als Einbildung angesehen wird, teilweise, weil es für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

Allerdings ist es auch gerade das teuflische bei derartigen Krankheiten, dass sich, eben wegen der sehr schwierigen Diagnose, manche Zeitgenossen und Zeitgenossinnen sich diese einfach „zulegen“ ohne wirklich betroffen zu sein. Da gibt es Leute, die in psychiatrischer Behandlung befinden, weil sie angeblich in keinen Supermarkt mehr gehen können, lassen aber keine Party aus. Da klagen Menschen über Rheuma und Fibromyalgie und brüsten sich damit, wie sie auf diese Art zu einer Berufsunfähigkeitsrente gekommen sind.

Das ist eben auch der Fluch des Internets: Man kann sich für jede Krankheit die Symptome anlesen. Wie glücklich wär Molieres „eingebildeter Kranker“ gewesen, hätte ihm dieses Instrument zur Verfügung gestanden. Und so gibt es derzeit im Gesundheitswesen immer mehr Scharlatane auf beiden Seiten. Die einen bieten nutzlose Mittel und Therapien an, um sich den Geldbeutel zu füllen und die anderen simulieren höchst gekonnt, um nicht arbeiten zu müssen.

Die Dummen sind wie immer die ehrlichen auf beiden Seiten. Ärzte und Therapeuten, die sich nach allen Kräften und dem ganzen Wissen ihrer Berufe mühen und wirklich Betroffene, die wegen solcher Eskapaden unter anderem lange auf einen dringend benötigten Therapieplatz warten müssen. Und, was mindestens genauso schlimm ist, den wirklich Leidenden wird ihre Krankheit oft nicht mehr abgenommen. Daher – ganz deutlich – simulieren ist kein Kavaliersdelikt, schon gar keine sportliche Disziplin!