Archiv der Kategorie: Hab‘ mir einen Reim gemacht

…der Herr von Größenwahn

Da sitzt am Bosporus der böse Herr von Größenwahn,
Ist ganz, ganz schnell beleidigt wie ’ne Leberwurst.
Er träumt von einem Reich wie das von Dschingis Kahn,
Getrieben wird er nur von Macht- und Rachedurst.

Wird er kritisiert, fängt er an zu sabbern und zu fluchen,
Da spuckt er rum in seinem Tausendzimmerhaus,
Da kann ein jeder nur ganz schnell das Weite suchen,
Der dreht dann durch, man denkt, der vögelt glatt ’ne Maus!

Er liebt die Tiere, vor allem Schafe, mehr als Menschen,
Denn diese gehorchen einem Hammel ohne Grund,
Folter und Zensur geh’n ihm ganz leicht vom Händchen,
Ein falsches Wort, Du bist im Knast zur selben Stund!

Er mag die Tanzbär’n oder Menschen mit ’nem Nasenring,
Führt sie voll Inbrunst doch so gerne an der Nase rum.
Fairness und gar Anstand sind wirklich nicht sein Ding,
Das weiß man längst, doch geht gelassen weiter mit ihm um.

Es ist jetzt Zeit, dass man ihn in seine Schranken weist,
Den Herrn von Größenwahn in seinem Übermut.
Einer, der da handelt als sei er doch schon frühvergreist,
Tut weder seinem Volk noch dessen Nachbarn gut.

Noch eins, man macht sich nicht gemein mit den Despoten,
In keinem Fall, wenn man ein echter Demokrat sein will.
Da gibt es nichts, ja gar nichts, irgendwie noch auszuloten,
Da bezieht man Stellung und hält den Mund nicht still.

Gute alte Zeiten?

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Nein, es klappert keine Mühle mehr,
Der Bach rauscht nicht, ist längst ja schon begradigt!
Es bringt auch niemand Korn mehr her,
Der Müller ist seit Jahren schon begnadigt!

Man träumt schon mal den Zeiten nach,
Als man in dieser Zeit die Zeit noch hatte für die Zeit,
In der man noch ganz and’res tat mit viel Gemach,
Mit Ruhe, mit Bedacht und nicht zuletzt Gemütlichkeit!

Doch, man muss sich leider eingesteh’n, dass die Träume,
Zum großen Teil wohl auch gebären, was es gar nicht gab,
Auch damals wuchsen in den Himmel keine Bäume,
Und Kampf und Leid und Sorgen war’n Begleitung bis zum Grab!

Der Wind ist zornig!

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Was will der Wind mir erzählen,
Der hier so durch die Linden rauscht?
Ich höre Geschichten vom Quälen,
Ich frag mich, ob ihm noch sonst einer lauscht?

Ich höre Geschichten von Männern und Frau’n,
Die nun so ganz, ganz weit weg von Zuhaus.
Sie hatten keine Chance, mussten jedem vertrau’n,
Denn sie und ihre Kinder wollten nicht, sie mussten da raus.

Der Wind erzählt mir Geschichten von Kindern,
Deren Nachtlied mit Gewehren gespielt.
Niemand konnte oder wollte ihr Leiden verhindern,
Nicht mal, als eines tot an den Strand gespült!

Es säuselt im Wind von betroffenen Reden,
Es wird versprochen und doch nichts gehalten.
Da draußen im Meer kämpfen Menschen ums Leben,
Hier dreht man sich um, ‘s bleibt alles beim Alten!

Es wird der Wind zornig, aus Ihm wird ein Sturm,
Der Sturm leidender Kinder, Männer und Frau’n.
Oh Gott, Europäer, kommt runter vom Turm,
Wie kann man bei so viel Leid tatenlos schau’n?

Das Blatt ohne Laub

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Ein großes grünes Lindenblatt,
 war’s höchste auf dem Baum,
Schaut‘ auf die andern nur hinab,
’s gab ja nichts, um aufzuschau’n.

Denn Sonne, Himmel, Mond und Sterne
Empfand es nicht als über sich,
Nach oben schaut man nicht so gerne
Nach unten spürt’s der Nacken nicht!

Doch kürzer wird der Sonne Schein,
’s wird kälter in des Herbstes Tagen
Da fühlt das stolze Blatt: „Ich bin allein!“
“Sprecht doch mit mir, ich will was fragen!“

„Die Frage ist nicht, was willst Du!“,
Ruft von unten da der Blätter Chor,
„Niemand hört Dir jetzt mehr zu!“ 
Von der Spitze geht’s nicht mehr empor!

Kraftlos wird das Spitzen-Blatt,
Es kann sich nicht mehr halten.
Es flattert von dem Baum hinab,
Der Herbst lässt seine Kräfte walten.

Es liegt ganz unten nun im Dreck,
Schaut zu denen auf, die vorher drunter hingen.
Die wärmen sich, das ist der Zweck,
Und schützen sich vor starken Winden.

Nach und nach wird’s unten voll,
Für das große Blatt sind alle taub.
Man weiß nicht, was man mit ihm reden soll,
Denn sie war’n kein Blatt, sie war’n ja Laub!

Wenn Dein Platz mal an der Spitze ist, Denn einer muss auch dort ja sein,
Ist entscheidend, dass man nicht vergisst:
 Ohne die da unter Dir bist nun mal Du komplett allein!

Lasst uns wieder aufsteh’n!

Che Guevara

Was haben wir geredet und nächtelang gestritten,
Wir träumten damals von ’ner andren Welt.
Von einer einz’gen und nicht ’ner zweiten oder dritten,
Von einer, die friedlich ist und die zusammen hält.

Was ist aus dieser Erde und unsern Träumen nur geworden?
Unsre heile Welt ist heute weiter weg als wir damals je gedacht,
Überall nur Flucht und Leid und Elend gar bis hin zum Morden,
Verdammt noch mal, dafür ist diese uns’re Erde nicht gemacht!

Lasst uns wieder aufsteh’n und noch mal auf die Straßen ziehn,
Lasst uns noch mal zeigen, wir machen das nicht mit!
Lasst uns wieder solidarisch sein, nicht ins Private flieh’n,
Lasst uns noch mal zeigen, uns’re Herzen, uns’re Köpfe sind noch fit!

Wir haben uns einlullen lassen, wir achtunsechz’ger Generation,
Unsern Kindern nicht mehr vorgelebt, wie man doch brennen muss.
Aus falschen Zielen und Bequemlichkeit entsteht nur Resignation,
Mit dicken Bäuchen denkt man nicht, erst recht nicht bis zum Schluss!

Das Blatt ohne Laub

Ein großes grünes Lindenblatt,
War’s höchste auf dem Baum,
Schaut‘ auf die andern nur hinab,
’s gab ja nichts, um aufzuschau’n.

Denn Sonne, Himmel, Mond und Sterne
Empfand es nicht als über sich,
Nach oben schaut man nicht so gerne
Nach unten spürt’s der Nacken nicht!

Doch kürzer wird der Sonne Schein,
’s wird kälter in des Herbstes Tagen
Da fühlt das stolze Blatt: „Ich bin allein!“
„Sprecht doch mit mir, ich will was fragen!“

„Die Frage ist nicht, was willst Du!“,
Ruft von unten da der Blätter Chor,
„Niemand hört Dir jetzt mehr zu!“
Von der Spitze geht’s nicht mehr empor!

Kraftlos wird das Spitzen-Blatt,
Es kann sich nicht mehr halten.
Es flattert von dem Baum hinab,
Der Herbst lässt seine Kräfte walten.

Es liegt ganz unten nun im Dreck,
Schaut zu denen auf, die vorher drunter hingen.
Die wärmen sich, das ist der Zweck,
Und schützen sich vor starken Winden.

Nach und nach wird’s unten voll,
Für‘s große Blatt sind alle taub.
Keiner weiß, was man mit ihm noch reden soll,
Denn sie war’n kein Blatt, sie war’n ja Laub!

Wenn Dein Platz mal an der Spitze ist,
Denn einer muss auch dort ja sein,
Ist entscheidend, dass Du nicht vergisst,
Ohn‘ die da unter Dir bist auch Du komplett allein!

Die weiche Eiche

Es war mal eine Eiche,
Eine harte, keine weiche,
Hatte Sommers viele Bätter,
Winters gibt’s dafür kein Wetter!

Die Eiche war schon alt,
Stand alleine, nicht im Wald.
Nein, stand mitten auf’m Acker,
Hielt sich, trotz des Alters, wacker.

Sie hatte einen in der Krone,
Einen Vogel, der da bei ihr wohne.
Da nahm der Vogel sich ein Vögelein,
Die Eiche fand das sehr gemein.

Sie stand allein in weiter Flur
Und hatte diesen Vogel nur.
Der hat bisher umsonst gewohnt,
Hat sich für sie wohl nicht gelohnt.

Jetzt sinnt sie über Rache nach,
Will diesem Vogel Ungemach.
Der hat sie doch belogen,
Die ganze Zeit betrogen.

Behauptet, dass er Single sei,
Und nur noch für die Eiche frei.
Da kommt ein buntes Vögelein
Und der Baum ist wieder mal allein!

„Das wirst Du mir jetzt büßen“,
Schüttelt, ohne ihn zu grüßen,
Den Vogel aus dem Baum hinaus,
Und so geht die Geschichte aus!

Nun ist die Eiche wieder frei,
Grämt sich ein bisschen, einerlei,
„Ich werd‘ ein bisschen warten,
Es gibt so viele Vogelarten.“

Die Geschichte fängt von vorne an,
Denn die Eiche denkt so dann und wann,
„Ich hätt so gern in meiner Krone,
Einen bunten Vogel, der da wohne!“

Und da seh’n wir unsere Eiche,
Sie ist nicht hart, sie ist ’ne weiche.
Denn drinnen fühlt sich’s anders an,
Als man von draußen sehen kann.

Der alte Kautz

Dunkel ist‘s, die Glocke schlägt gleich Mitternacht,
Der Laterne Strahlen fingern durchs Geäst,
Dort seh‘ ich ihn, den alten Kauz, der immer wacht,
Der mich auch heute wieder seine Klugheit spüren lässt.

Nachdenklich und mit klugem Blick sitzt er im Baum,
Sein ganzer Ausdruck ist gelassen und sehr weise,
Ich setz mich auf den Boden, um zu ihm aufzuschau’n,
Und glaub‘ zu hören, was er sagt, wenn auch sehr leise.

Er spricht zu mir von alten Zeiten und vergang’nen Tagen,
Von einer Zeit, in der nicht alles schön, doch vieles besser war.
Von einer Zeit, in der man noch dem andern trauen konnte und was wagen,
Von einer Zeit, in der man sich half und sich nicht einfach machte rar.

Er singt mit tiefem Bass sein Lied von Liebe und Gerechtigkeit,
Ich fühl in meinem Kopf die Zuversicht und hoff in meiner Seele, Dass mein alter Kauz mir länger noch als lang erhalten bleibt,
Dass wir uns Abends wieder treffen und auch ich ihm einmal was erzähle.