Archiv der Kategorie: nicht immer

Fragen über Fragen über Fragen

Fragt man sich doch, was an der Frage so fraglich ist, dass jedes Antwortpendant eine neue gebiert! Stellt sich die Frage schon deshalb in Frage, weil sie sich der Fraglichkeit ihres Ergebnisses ständig selbst erneuert? Ist die Frage danach, ob die Frage über die Frage nicht zum immerwährenden Perpetuum Mobile ihrerselbst mutiert, in sich schon fraglich? Beginnt die Infragestellung des Frageergebnisses schon mit Geburt der Frage und wird dadurch fraglich? Hat man sich zu fragen, ob eine Frage fragwürdig oder des Fragens würdig ist, bevor man darauf eine mehr als fragliche Antwort gibt, die zu neuen sehr fraglichen Fragen führt? Kommt gar die Fraglichkeit einer Frage in ihrer Permanenz deshalb dem Gedanken der Ewigkeit nahe, weil das Ergebnis der Frage nach beiden auf ewig fraglich bleibt? Fraglos ist doch auch das Hinterlassen von Fraglosigkeit die permanente Genesis von Fragen, mit und ohne Fragezeichen!?

Der Moment

Der Moment – eine Betrachtung – aber nur für einen Moment!

Als Moment bezeichnen wir ein kurzes Zeitintervall. Aber was ist kurz, was ist lang? In der Einsteinschen Definition von Zeit und Raum kann jeder Moment zur Ewigkeit mutieren. Vom lateinischen movere, was bewegen bedeutet, abgeleitet, ist der Moment ohnehin keine statische Zeitdimension, sondern ein im Kontext seines Seins sich entwickelnder Ablauf. Trotzdem sind es eben die Momente, die unsere Aufmerksamkeit erfahren, weil wir sie über den zeitlichen Raum ihres Geschehens hinaus vor allem mit der Intensität oder der Außergewöhnlichkeit ihres Ablaufs verbinden. Vor allem aber verbinden wir Momente häufig mit der Intensität ihrer emotionalen Kraft auf uns. Momente unendlichen Glücks – man bemerke den Widerspruch – oder grenzenloser Trauer – auch hier die scheinbar unpassende Dimension – graben sich ein und werden zur permanenten bzw. immer wiederkehrenden und nicht nur momentanen Reflexion des Erlebten in uns. Neben bewegen hat movere auch die Bedeutung von entstehen und so haben Momente auch immer etwas Gebärendes. Der Moment bedarf zu seiner Existenz der Aufmerksamkeit und führt allein damit mindestens zu einer Form innerer Kommunikation. Er ist eine scheinbar abgeschlossene Dimension, dabei liegen sein Anfang und Ende immer in der Bestimmung des ihn Betrachtenden. Konsequenterweise aber erhält er eben gerade dadurch seine zeitlich Un- bestimmtheit, da der reflektorische Umgang mit ihm zwangsläufig zur Erweiterung mindestens der zeitlichen Dimension führt. Inter- essanterweise erleben wir den Moment auch nicht momentan, da wir letzteres als zeitlichen Ablauf unserer Gegenwärtigkeit empfinden, Momente als zeitliche Beschreibung aber im Kontext ihrer chrono- logische Einordnung zu verstehen sind, also auch zukünftig sein können. Nur ein Augenblick, ein Weilchen oder eine Weile – das entscheidet sich manchmal erst im Moment der Betrachtung des Moments. Augenblicklich wird entschieden über die chronologische Länge eines Moments, gegenwärtig, also momentan! Ist das der entscheiden- de Moment für das Sein des Moments auch in seiner zeitlichen Dimension? Der Moment ist eben so relativ wie seine Realität nur relativ absolut ist. Er ist da, aber nicht zu fassen und ändert seine Realität mit seiner Beschreibung, Erfahrung oder Rezeption. Heinrich Böll wird immer wieder der Ausspruch zugeschrieben: „Ich bin ein Clown, ich sammle Momente“. Die Hauptfigur in „Ansichten eines Clowns“, Hans Schnier aber sagt: „Ich bin ein Clown, ich sammle Augenblicke“. Der Augenblick kann sehr wohl ein Moment sein, aber nicht jeder Moment ist nur ein Augenblick, denn seine Dimension erhält der Moment immer aus dem Geschehen einerseits und seiner Rezeption andererseits. Aber all das ist auch nur eine momentane Betrachtung!